MIDGARD · Multi User Dungeon Alpha 0.1

Kapitel 1: LPC – Einstieg

Bevor du überhaupt sinnvoll LPC schreiben kannst, musst du dich in der Welt bewegen können, in der dein Code lebt. Dieses Kapitel erklärt dir Schritt für Schritt, wie das Dateisystem funktioniert, wie du dich orientierst, Dateien anlegst, bearbeitest und wiederfindest – ohne Vorkenntnisse, ohne Abkürzungen.

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Danach: Dein erstes echtes LPC-Objekt.

1.1 Warum dieses Kapitel so wichtig ist

Viele Anfänger scheitern nicht an LPC selbst, sondern an der Umgebung: falsche Pfade, falsche Dateien, falsches Objekt geladen, Änderungen scheinbar „ignoriert“. Fast immer liegt das Problem nicht im Code, sondern darin, wo und wie gearbeitet wurde.

Dieses Kapitel soll genau das verhindern. Wenn du es durcharbeitest, wirst du:

  • immer wissen, wo du dich befindest
  • verstehen, welche Datei du gerade bearbeitest
  • nicht mehr „versehentlich“ im falschen Verzeichnis arbeiten
  • eine saubere Grundlage für alle weiteren Kapitel haben

1.2 Das Dateisystem – dein Fundament

Das Midgard MUD benutzt – wie fast alle LPMud/LDMud-Systeme – ein UNIX-artiges Dateisystem. Wenn du schon einmal mit Linux oder macOS gearbeitet hast, kommt dir vieles bekannt vor. Wenn nicht: keine Sorge.

Alles beginnt bei der Wurzel, geschrieben als /. Darunter hängen alle Verzeichnisse und Dateien wie an einem Baum.

Vereinfachte Vorstellung der Struktur

/
├── players/
│   └── deinname/
│       ├── work/
│       │   └── test.c
│       └── log/
├── std/
├── doc/
        

Wichtig: Es gibt keine „Laufwerke“ wie C:\. Alles ist Teil dieses einen Baums.

1.3 Absolute und relative Pfade (extrem wichtig)

Pfade beschreiben den Weg zu einer Datei oder einem Verzeichnis. Hier passieren die meisten Anfängerfehler.

Absolute Pfade

Ein absoluter Pfad beginnt immer mit / und beschreibt den Weg vom Wurzelverzeichnis aus. Er ist eindeutig.

Absolute Pfade

/players/deinname/work/test.c
/std/room.c
/doc/lpc/contents.txt
        

Relative Pfade

Relative Pfade beginnen nicht mit /. Sie beziehen sich immer auf dein aktuelles Verzeichnis.

Relative Pfade (abhängig vom aktuellen Verzeichnis)

test.c
work/test.c
../otherdir/file.c
        

Merksatz: Wenn etwas „nicht gefunden“ wird, ist es fast immer ein falscher Pfad.

1.4 Dein aktuelles Verzeichnis (pwd)

Zu jedem Zeitpunkt befindest du dich in genau einem Verzeichnis. Dieses nennt man das aktuelle Arbeitsverzeichnis.

pwd zeigt dir immer, wo du bist

pwd
=> /players/deinname/work
        

Wenn du jemals unsicher bist: pwd eingeben. Das spart Stunden Frust.

1.5 Verzeichnisse wechseln (cd)

Mit cd wechselst du dein aktuelles Verzeichnis. Ohne Argument springst du normalerweise in dein Home-Verzeichnis.

cd in Aktion

cd
pwd
=> /players/deinname

cd work
pwd
=> /players/deinname/work

cd /std
pwd
=> /std
        

Tipp: Arbeite bewusst. Wechsle nicht „wild“ durch Verzeichnisse, sondern halte Ordnung.

1.6 Dateien und Verzeichnisse ansehen (ls)

Mit ls listest du den Inhalt eines Verzeichnisses auf.

ls – Überblick bekommen

ls
ls work
ls /players/deinname
        

Gewöhne dir an, vor dem Bearbeiten kurz ls zu benutzen. So weißt du, was wirklich da ist.

1.7 Eigene Arbeitsstruktur anlegen

Ordnung ist kein Luxus, sondern Überlebensstrategie. Lege dir früh eine feste Struktur an.

Empfohlene Minimalstruktur

cd
mkdir work
mkdir work/rooms
mkdir work/items
mkdir work/npcs
        

Du wirst dir später selbst danken, wenn du Dateien wiederfindest.

1.8 Dateien ansehen (more, cat)

Bevor du eine Datei bearbeitest, schau sie dir an.

Dateien lesen

more test.c
cat test.c
        

more ist für längere Dateien besser, cat für kurze.

1.9 Dateien bearbeiten (ed – kurz & ehrlich)

Viele MUDs bieten den Editor ed. Er ist alt, schlicht und nicht bequem, aber zuverlässig. Für den Einstieg reicht es völlig, ihn öffnen und speichern zu können.

ed öffnen

cd ~/work
ed test.c
        

Wenn du lokal editierst und hochlädst: Auch okay. Wichtig ist nicht der Editor, sondern saubere Dateien.

1.10 Häufige Anfängerfehler (und wie du sie vermeidest)

  • „Datei nicht gefunden“ → falscher Pfad, pwd prüfen
  • „Ich editiere etwas, aber nichts ändert sich“ → falsche Datei bearbeitet
  • Chaos im Home → keine Struktur angelegt
  • Versehentlich gelöscht → vor rm immer ls

Diese Fehler sind normal. Wichtig ist nur, sie schnell zu erkennen.

1.11 Zusammenfassung

Du kannst jetzt:

  • das Dateisystem lesen
  • absolute und relative Pfade unterscheiden
  • dein aktuelles Verzeichnis prüfen
  • sauber navigieren und Ordnung halten

Damit hast du das Fundament gelegt. Ab jetzt wird es technisch – aber kontrolliert.

Ausblick

In Kapitel 2 erstellen wir deine erste LPC-Datei, laden sie, klonen ein Objekt und testen es Schritt für Schritt.

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Jetzt beginnt das eigentliche Coden.